Die Ausstellung Aufbau West (2017) war die erste westdeutsche Soloausstellung der in Sachsen geborenen und in Berlin lebenden Henrike Naumann. Sie widmet sich der Frage nach der Integration von Ost- und Westdeutschland und erforscht die Spuren der sozialen, politischen und auch ökonomischen Transformation der DDR. In der ehemalige Ladeneinheit der Kölner Galerie Gold+Beton errichtete sie einen Laden, der ihre kindliche Vorstellung von Westdeutschland, als einen Raum, in dem es alles zu kaufen gibt, abbildete.

Vor allem die neuen Produkte, die ab 1990 im Konsum ihres sächsischen Heimatdorfes verkauft wurden, verstärkten die Bilder in ihrem Kopf. Dass der Westen in Form von billigen Plastikwaren in ihre Wahrnehmung kam, sieht sie als exemplarisch für das Missverhältnis, wenn Freiheit und Demokratie sich durch Konsum vermitteln sollen.

Nicht ohne Grund wurde die Arbeit zum parallel stattfindenden NSU-Tribunal in Köln gezeigt. Seit 2011 recherchiert Henrike Naumann zum Nationalsozialistischen Untergrund, der sich in ihrer Geburtsstadt Zwickau eine bürgerliche Fassade aufgebaut hatte. Der NSU verübte in Köln zwei rassistisch motivierte Anschläge, beide auf Geschäfte.

Durch die Verbindung von biografischer Konsumerrinnerung im Ostdeutschland der 90er Jahre mit der Untersuchung rechtsterroristischer Anschläge auf Geschäfte in den alten Bundesländern zeigt sich die Ladenfläche als ultimativer Ort der Transformation, in dem sich Konsum und Gewalt verbinden.























Installationsphotos: Inga Selck



Henrike Naumann - Aufbau West
GOLD + BETON
Ebertplatzpassagen Köln

22.4. - 28.5. 2017
Vernissage: 21.4. // 19h
geöffnet: FR & SA 16h-19h u.n.V.
Art Cologne Late Night View: Di 25.4. // 21h